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Methoden

Der Bader des Mittelalters verwendete Aderlass-Messer, sogenannte Flieten, oder ab dem 15. Jahrhundert ein Gerät, dessen spezielles Messer nach dem Anritzen der Ader zurückschnappt, den Schnepper.

Die Menge des abgenommenen Blutes liegt zwischen 50 und 500 ml.Heutzutage wird Venenblut mit einer größeren Kanüle abgenommen.

Hier wie beim Schröpfen ist die entnommene Blutmenge so gering, dass man nicht von einem „Aderlass“ sprechen kann. Die spezielle Zusammensetzung des Speichels des Blutegels verhindert die Gerinnung des Blutes.Eine weitere Methode der Blutentziehung ist der Einsatz von Blutegeln.



Einsatz in der heutigen Medizin

Der Aderlass spielt heute bei einzelnen Erkrankungen eine wichtige Rolle:.

  • Bei der Polycythaemia vera, einer Erkrankung, die zu einer krankhaft vermehrter Bildung von Erythrozyten (roten Blutkörperchen) und damit zu einer Erhöhung der Blutviskosität führt.
  • Bei der Hämochromatose, einer Erkrankung des Eisenstoffwechsels, werden lebenslange Aderlässe zur Senkung des Eisengehaltes im Körper durchgeführt.
  • Bei einer Polyglobulie kann eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes durch Aderlass erforderlich werden, wenn beispielsweise eine Zentralvenenthrombose im Auge droht oder bereits aufgetreten ist.


Geschichte

Aderlassmännlein aus Konrad von Megenberg „Buch der Natur“

Der Aderlass war seit der Zeit des Hippokrates bekannt und wurde auch von Galen befürwortet, nachdem dieser entdeckte, dass die Adern mit Blut gefüllt waren und nicht mit Luft, wie vielfach angenommen wurde.

Zum anderen wurden Krankheiten des menschen auf ein Ungleichgewicht seiner vier Säfte (Blut, gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim, siehe Viersäftelehre) zurückgeführt. Wenn das hergestellte Blut nun nicht 'verbraucht' wurde, konnte es in den Gliedern stagnieren und musste entfernt werden. Die Zirkulation durch das Herz war unbekannt.Der Nutzen des Aderlasses wurde aus zwei Vorstellungen begründet: Zum einen wurde angenommen, das Blut werde vom Körper hergestellt und dann verbraucht. Durch Ableiten überschüssigen Blutes konnte nach dieser Vorstellung das Gleichgewicht wiederhergestellt werden.

Er stellte ein umfassendes System auf, das die Menge des zu entnehmenden Blutes aus dem Alter des Patienten, seinem Zustand sowie aus Jahreszeit und Wetterbedingungen ableitete.Galen glaubte, Blut sei der dominante Saft und müsse besonders kontrolliert werden.

Auch in der islamischen Medizin war der Aderlass bekannt, wahrscheinlich durch die griechischen Autoren. Die historisch wichtigen medizinischen Schriften Kitab al-Qanum und insbesondere Al-Tasrif li-man 'ajaza 'an al-ta'lif empfehlen den Aderlass.

Die ayurvedische Medizin kannte den Aderlass ebenfalls, wie in der Susrata Samhita dargestellt ist.

Obwohl im Mittelalter die Viersäftelehre als überholt galt, war der Aderlass eine typische Heilpraktik des Baders. Eine weite Palette von Krankheiten wurden durch den Aderlass behandelt; man kann fast von einer universellen Methode sprechen. Insbesondere in den USA favorisierte Benjamin Rush ein extensives Aderlassen. George Washington wurden nach einem Reitunfall mehr als 1,5 Liter Blut entnommen; dieser Verlust kann zu seinem Tode beigetragen haben.

Auch nachdem William Harvey im Jahre 1628 die Grundlagen des Aderlasses widerlegt hatte und erste Schritte zu einer auf wissenschaftlichen Methoden basierenden Medizin gemacht waren (la méthode numérique), blieb der Aderlass eine verbreitete Behandlungsmethode. Der Nachweis Pierre Louis um 1800, dass der Aderlass bei einer Lungenentzündung und bei vielen Fiebererkrankungen unwirksam sei, hatte ebenfalls kaum Einfluss auf die allgemeine Anwendung.

Teilweise wird der Aderlass auch eine positive psychologische Wirkung gehabt haben (Placebo-Effekt).Ein Grund für die verbreitete Anwendung des Aderlasses war das unzureichende Verständnis von Krankheitsursachen, trotz bedeutender Fortschritte in der Anatomie und in Operationsmethoden. Es wurde angenommen, es sei besser irgendetwas als nichts zu tun.




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